1.3.5 Identify Input Purpose: Wenn Formulare mitdenken (AA)

Was ist das Ziel dieses Kriteriums?

Stell dir vor, du sitzt vor einem Formular und sollst deine Adresse eingeben – aber die Felder sind nur mit „Feld 1″, „Feld 2″, „Feld 3″ beschriftet. Frustrierend, oder? Jetzt stell dir vor, du hast Schwierigkeiten beim Lesen oder Erinnern. Dann wird aus einem einfachen Formular schnell eine unüberwindbare Hürde.

Das Ziel von Erfolgskriterium 1.3.5 ist es, dass Formulare „mitdenken“ können. Computer sollen verstehen, welche Art von Information in einem Eingabefeld erwartet wird – nicht nur durch das sichtbare Label, sondern durch maschinenlesbare Codes. So können Browser, Screenreader und andere Hilfstechnologien Formulare automatisch ausfüllen, mit Icons versehen oder in vertrauter Weise darstellen.

Kurz gesagt: Wenn ein Formular nach deinem Namen, deiner E-Mail oder deiner Adresse fragt, soll die Technik das erkennen und entsprechend reagieren können.

Was fordert das Erfolgskriterium genau?

Ganz konkret geht es um Level AA-Anforderungen für Eingabefelder, die Informationen über den Nutzer selbst sammeln.

Jedes Eingabefeld muss seinen Zweck programmatisch erkennbar machen, wenn:

  • Das Feld einen Zweck erfüllt, der in der offiziellen WCAG-Liste der Eingabezwecke steht (wie Name, E-Mail, Telefon, Adresse usw.)
  • Die verwendete Technologie das Kennzeichnen des Feldtzwecks unterstützt

Praktisch bedeutet das:

  • HTML-Eingabefelder brauchen das richtige autocomplete-Attribut (z.B. autocomplete="name" für Namensfelder)
  • Die Werte müssen aus der offiziellen Liste stammen – keine selbsterfundenen Begriffe
  • Es geht nur um Felder für den Nutzer selbst, nicht für Dritte (z.B. nicht für „Name Ihres Partners“)

Beispiele: Ein E-Mail-Feld bekommt autocomplete="email", ein Vorname-Feld autocomplete="given-name", eine Straße autocomplete="street-address".

Ausnahmen gelten nur, wenn die Technologie das Kennzeichnen nicht unterstützt oder es sich um Informationen über andere Personen handelt.

 

Warum ist das wichtig für Barrierefreiheit?

Stell dir vor, du hast Probleme beim Lesen oder dein Gedächtnis funktioniert nicht optimal. Ein Formular mit 15 Feldern wird dann zur Qual – außer, es kann sich selbst ausfüllen oder dir mit vertrauten Symbolen helfen.

Programmierbare Eingabezwecke schaffen Barrierefreiheit, weil sie:

  • Menschen mit kognitiven Einschränkungen helfen: Browser können Felder automatisch ausfüllen, ohne dass sich Nutzer komplexe Informationen merken müssen
  • Menschen mit Gedächtnisproblemen unterstützen: Wiederholte Eingaben entfallen durch intelligentes Auto-Fill
  • Menschen mit Sprach- oder Lernschwierigkeiten assistieren: Hilfstechnologien können Felder mit vertrauten Icons oder Symbolen markieren
  • Menschen mit motorischen Einschränkungen entlasten: Weniger Tippen bedeutet weniger Anstrengung und Fehlerquellen
  • Universelle Nutzbarkeit fördern: Auch Menschen ohne Einschränkungen profitieren von schnellerem, fehlerfreiem Ausfüllen

Und das Beste: Die Kennzeichnungen funktionieren sprachunabhängig – ein „E-Mail“-Feld bleibt erkennbar, egal ob die Seite auf Deutsch, Englisch oder Mandarin ist.

So setzt du das Kriterium erfolgreich um

Die gute Nachricht: Die Umsetzung ist technisch meist sehr einfach und bringt sofortigen Mehrwert für alle Nutzer. Hier deine Roadmap zum Erfolg:

 

HTML-Autocomplete richtig verwenden:

  • Nutze das autocomplete-Attribut bei allen relevanten Eingabefeldern
  • Verwende nur offizielle Werte aus der W3C-Liste (z.B. „name“, „email“, „tel“, „street-address“)
  • Sei so spezifisch wie möglich: „given-name“ statt nur „name“, „bday“ statt nur „date“

 

Häufige Eingabetypen und ihre Codes:

  • Name: autocomplete="name" (vollständiger Name) oder autocomplete="given-name" (Vorname)
  • E-Mail: autocomplete="email"
  • Telefon: autocomplete="tel"
  • Adresse: autocomplete="street-address" (Straße), autocomplete="postal-code" (PLZ)
  • Geburtsdatum: autocomplete="bday"
  • Passwörter: autocomplete="current-password" oder autocomplete="new-password"

 

Technische Best Practices:

  • Kombiniere autocomplete mit dem passenden type-Attribut: <input type="email" autocomplete="email">
  • Nutze sprechende Labels zusätzlich, nicht als Ersatz
  • Teste deine Formulare mit verschiedenen Browsern – die Auto-Fill-Funktion sollte funktionieren
  • Verwende keine erfundenen Autocomplete-Werte – nur die offiziell definierten

 

Was du vermeiden solltest:

  • Felder für andere Personen mit denselben Codes markieren
  • Mehrere verschiedene Zwecke in einem Feld vermischen
  • Autocomplete ohne sinnvolles Label verwenden

Warum dieses Erfolgskriterium für Unternehmen relevant ist

Auch hier gilt: Barrierefreiheit ist kein netter Bonus – sondern ein echter Wettbewerbsvorteil, der sich direkt auf dein Business auswirkt.

 

1. Conversion-Rate massiv steigern

Formulare sind oft der kritische Punkt für Conversions. Ein Formular, das sich intelligent ausfüllt, reduziert Abbruchquoten dramatisch. Nutzer lieben es, wenn ihre Daten automatisch erkannt und eingefüllt werden – das spart Zeit und reduziert Fehler. Besonders bei mobilen Geräten ist das ein riesiger Vorteil.

 

2. Kundenerfahrung auf Profi-Level bringen

Intelligente Formulare wirken modern, durchdacht und kundenfreundlich. Sie zeigen, dass du Wert auf Details legst und die Bedürfnisse deiner Nutzer verstehst. Das stärkt das Vertrauen in deine Marke und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Folge-Interaktionen.

 

3. Support-Kosten senken und Datenqualität verbessern

Auto-Fill reduziert Tippfehler und Fehlerhaste Eingaben erheblich. Weniger fehlerhafte Daten bedeuten weniger Support-Anfragen, weniger manuelle Nachbearbeitungen und bessere Datenqualität in deinen Systemen. Das spart nicht nur Geld, sondern macht deine Prozesse robuster.

Und nicht zuletzt: Rechtssicherheit und Fördermöglichkeiten. Viele öffentliche Projekte fordern digitale Barrierefreiheit bereits verpflichtend – wer vorbereitet ist, hat klare Vorteile bei Ausschreibungen und Förderanträgen.

 

Das Erfolgskriterium im Wortlaut der W3

Success Criterion 1.3.5 Identify Input Purpose (Level AA)

The purpose of each input field collecting information about the user can be programmatically determined when:

  • The input field serves a purpose identified in the Input Purposes for user interface components section; and
  • The content is implemented using technologies with support for identifying the expected meaning for form input data.

Link zum konkreten Erfolgskriterium

Understanding Success Criterion 1.3.5

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