1.4.7 Niedriger oder kein Hintergrundton: Wenn Worte im Rauschen untergehen (AAA)

Was ist das Ziel dieses Kriteriums?

Kennst du das: Du hörst einen Podcast im Café und verstehst plötzlich kein Wort mehr, weil im Hintergrund dramatische Musik einsetzt? Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen ist das nicht nur nervig – es macht Audioinhalte komplett unbrauchbar.

Das Ziel von Erfolgskriterium 1.4.7 der WCAG ist daher klar: Audioinhalte mit Sprache müssen so produziert werden, dass Hintergrundgeräusche die gesprochenen Worte nicht übertönen. Menschen, die schwerhörig sind, sollen Sprache von Hintergrundmusik, Geräuschen oder anderen Störquellen unterscheiden können.

Kurz gesagt: Wenn jemand spricht, sollte das auch hörbar sein – ohne dass man ein Superhörer werden muss.

Was fordert das Erfolgskriterium genau?

Ganz konkret geht es um vorab aufgezeichnete Nur-Audio-Inhalte (also keine Videos) mit hauptsächlich gesprochenen Inhalten. Das können Podcasts, Hörbücher, Interviews oder Webinare sein.

Für solche Inhalte muss mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

Keine Hintergrundgeräusche: Der Audioinhalt ist komplett „sauber“ – nur Sprache, kein Rauschen, keine Musik, keine Störgeräusche.

Abschaltbare Hintergrundgeräusche: Nutzer können alle Hintergrundgeräusche separat ausschalten und nur die Sprache hören.

20-Dezibel-Regel: Hintergrundgeräusche sind mindestens 20 Dezibel leiser als die Sprache im Vordergrund – das entspricht etwa einem Viertel der Lautstärke.

 

Ausnahmen gelten für:

  • Audio-CAPTCHAs oder Audio-Logos
  • Gesang, Rap oder andere primär musikalische Äußerungen
  • Gelegentliche, sehr kurze Geräusche (1-2 Sekunden)

Ein praktisches Beispiel: Ein Corporate Podcast mit dramatischer Hintergrundmusik muss entweder ohne Musik produziert werden, oder die Musik muss so leise sein, dass sie die Sprachverständlichkeit nicht beeinträchtigt.

Warum ist das wichtig für Barrierefreiheit?

Stell dir vor, du musst ein wichtiges Webinar verfolgen, aber im Hintergrund läuft ständig Musik oder es rauscht – und du hörst nicht perfekt. Was für andere vielleicht nur nervig ist, macht für dich den ganzen Inhalt unverständlich.

Niedriger oder kein Hintergrundton schafft Barrierefreiheit, weil er:

  • Schwerhörigen Menschen hilft, Sprache von anderen Geräuschen zu unterscheiden
  • Menschen mit Hörgeräten unterstützt, da diese oft alle Töne gleichmäßig verstärken
  • Nutzer mit Aufmerksamkeitsstörungen entlastet, die sich schwer auf Sprache konzentrieren können, wenn Störgeräusche vorhanden sind
  • Menschen mit kognitiven Einschränkungen dabei hilft, sich auf das Wesentliche zu fokussieren
  • Allen Hörern in lauten Umgebungen zugutekommt

Und nicht zuletzt: Klare Audioqualität ist universell besser – auch Übersetzungssoftware und Spracherkennung funktionieren mit sauberen Audiodateien deutlich zuverlässiger.

So setzt du das Kriterium erfolgreich um

Die gute Nachricht: Saubere Audioqualität ist meist eine Frage der richtigen Vorbereitung und Technik. Hier ein paar bewährte Praxis-Tipps:

Bei der Aufnahme:

  • Nutze ein hochwertiges Mikrofon und nimm in ruhiger Umgebung auf
  • Vermeide Hintergrundmusik, wenn sie nicht unbedingt nötig ist
  • Plane Musik bewusst ein – als Intro/Outro oder in sprachfreien Pausen
  • Teste vorab: Ist die Sprache auch bei leisen Passagen gut verständlich?

Bei der Nachbearbeitung:

  • Entferne Grundrauschen und Störgeräusche mit Audio-Software wie Audacity oder Adobe Audition
  • Nutze einen Kompressor, um die Lautstärke der Sprache zu normalisieren
  • Wenn Hintergrundmusik gewünscht ist: Mixe sie mindestens 20 Dezibel leiser als die Sprache
  • Erstelle separate Audio-Spuren für Sprache und Musik, um Flexibilität zu behalten

Technische Umsetzung:

  • Biete separate Steuerung für Sprache und Hintergrundgeräusche an
  • Kennzeichne klar, wenn Nutzer Hintergrundmusik ein- oder ausschalten können
  • Verwende Audio-Player mit individuellen Lautstärkereglern für verschiedene Kanäle

Tools und Software:

  • Audacity (kostenlos) für Grundbearbeitung und Rauschentfernung
  • Adobe Audition oder Logic Pro für professionelle Bearbeitung
  • Online-Tools wie Descript oder Hindenburg Pro für Podcast-Produktion

Warum dieses Erfolgskriterium für Unternehmen relevant ist

Level AAA mag optional sein – aber für Unternehmen, die Exzellenz anstreben, bringt es handfeste Vorteile.

1. Zielgruppe erweitern

Saubere Audioqualität macht deine Inhalte für mehr Menschen nutzbar: Schwerhörige, Nutzer mit Hörgeräten, Menschen in lauten Umgebungen und alle, die Wert auf professionelle Qualität legen. Du verlierst keine Hörer durch schlechte Verständlichkeit.

2. Professionelles Image verbessern

Hochwertige Audioqualität signalisiert Professionalität und Sorgfalt. Podcasts, Webinare oder E-Learning-Inhalte ohne störende Hintergrundgeräusche wirken kompetenter und vertrauenserweckender.

3. Technische Vorteile nutzen

Saubere Audiodateien lassen sich besser komprimieren, verbrauchen weniger Bandbreite und funktionieren zuverlässiger mit Spracherkennungssoftware und automatischen Transkriptionsdiensten.

Und nicht zuletzt: Rechtssicherheit und Fördermöglichkeiten. Viele öffentliche Projekte fordern digitale Barrierefreiheit bereits verpflichtend – wer vorbereitet ist, hat klare Vorteile bei Ausschreibungen und Förderanträgen.

Das Erfolgskriterium im Wortlaut der W3

Success Criterion 1.4.7 Low or No Background Audio (Level AAA)

For prerecorded audio-only content that (1) contains primarily speech in the foreground, (2) is not an audio CAPTCHA or audio logo, and (3) is not vocalization intended to be primarily musical expression such as singing or rapping, at least one of the following is true:

  • No Background: The audio does not contain background sounds.
  • Turn Off: The background sounds can be turned off.
  • 20 dB: The background sounds are at least 20 decibels lower than the foreground speech content, with the exception of occasional sounds that last for only one or two seconds.

Note: Per the definition of „decibel,“ background sound that meets this requirement will be approximately four times quieter than the foreground speech content.

Link zum konkreten Erfolgskriterium

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