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title: "Leichte Sprache und Einfache Sprache: Texte, die wirklich ankommen"
url: "https://barrierefreihochzwei.de/de/blog/leichte-und-einfache-sprache"
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description: "Leichte Sprache oder Einfache Sprache? Unterschiede, Regeln, Beispiele und Praxistipps für verständliche Webtexte, Überschriften, Linktexte und WCAG 3.1.5."
published: "2026-09-22T09:00:00+02:00"
updated: "2026-10-15T09:42:07+02:00"
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# Leichte Sprache und Einfache Sprache: Texte, die wirklich ankommen

Leichte Sprache und Einfache Sprache klingen ähnlich, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Hier erfährst du den Unterschied und wie du Texte, Überschriften und Links verständlicher machst.

Eine Website kann technisch perfekt sein: sauberer Code, guter Kontrast, alles per Tastatur bedienbar. Wenn die Texte aber aus Schachtelsätzen, Fachbegriffen und Behördendeutsch bestehen, bleibt für viele Menschen trotzdem eine Barriere. Sie können die Seite bedienen, aber nicht verstehen.

Verständlichkeit ist deshalb ein eigenes Feld der Barrierefreiheit. Zwei Begriffe tauchen dabei immer wieder auf: Leichte Sprache und Einfache Sprache. Sie werden oft verwechselt, haben aber unterschiedliche Regeln, Zielgruppen und Einsatzbereiche.

In diesem Artikel klären wir den Unterschied, schauen auf den rechtlichen Rahmen und gehen dann ganz praktisch durch, wie du Texte, Überschriften und Linktexte im Web verständlicher machst. Am Ende weißt du auch, was das WCAG-Kriterium zum Leseniveau verlangt.

## Warum Verständlichkeit eine Frage der Barrierefreiheit ist

Wer an Barrierefreiheit denkt, denkt oft zuerst an Screenreader oder Rollstühle. Doch viele Barrieren entstehen im Kopf der Lesenden, genauer: zwischen Text und Verständnis. Betroffen sind zum Beispiel Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Demenz oder nach einem Schlaganfall mit Aphasie, gehörlose Menschen, für die Deutsch nach der Gebärdensprache eine Zweitsprache ist, und Menschen, die gerade Deutsch lernen.

Dazu kommen viele Erwachsene, die nur eingeschränkt lesen und schreiben können. Die LEO-Studie der Universität Hamburg zeigt, dass es in Deutschland Millionen sind. Und schließlich profitieren alle anderen auch: Wer gestresst ist, unterwegs auf dem Smartphone liest oder ein fremdes Fachgebiet betritt, ist für klare Texte dankbar.

Die WCAG fassen diesen Bereich unter dem Prinzip „Verständlich“ zusammen. Wie die vier Prinzipien zusammenhängen, liest du im Artikel über [die WCAG-Prinzipien](https://barrierefreihochzwei.de/de/blog/wcag-verstaendlich-erklaert).

## Leichte Sprache: feste Regeln für eine klare Zielgruppe

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen mit festen Regeln. Sie richtet sich in erster Linie an Menschen mit Lernschwierigkeiten und ist gemeinsam mit ihnen entstanden. Bekannt geworden ist sie vor allem durch das Netzwerk Leichte Sprache, das ein Regelwerk veröffentlicht hat. Daneben gibt es Regeln aus der Forschung, etwa von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim.

Zu den typischen Regeln gehören:

- Kurze Sätze mit nur einer Aussage pro Satz.
- Bekannte, alltägliche Wörter statt Fach- und Fremdwörtern. Wenn ein schweres Wort nötig ist, wird es erklärt.
- Lange zusammengesetzte Wörter werden getrennt, entweder mit Bindestrich („Bus-Fahrkarte“) oder mit Mediopunkt („Bus·fahrkarte“).
- Aktiv statt Passiv, Verben statt Substantivierungen, möglichst kein Konjunktiv und kein Genitiv.
- Zahlen als Ziffern, keine Abkürzungen.
- Jeder Satz beginnt in einer neuen Zeile, die Schrift ist groß, Bilder können den Text unterstützen.

Ein wesentlicher Teil von Leichter Sprache ist die **Prüfung durch die Zielgruppe**. Menschen mit Lernschwierigkeiten lesen den Text gegen und sagen, was sie nicht verstehen. Erst danach gilt ein Text nach dem Regelwerk des Netzwerks als Leichte Sprache. Viele Übersetzungsbüros arbeiten deshalb mit festen Prüfgruppen.

### Ein Beispiel

So könnte ein Satz von der Website einer Stadtverwaltung aussehen:

**Standardsprache:** „Die Beantragung eines Bewohnerparkausweises erfolgt ausschließlich unter Vorlage einer gültigen Meldebescheinigung sowie der Zulassungsbescheinigung Teil I.“

**Leichte Sprache:**
Sie wohnen in der Innen·stadt.
Sie haben ein Auto.
Dann können Sie einen Park·ausweis bekommen.
Dafür brauchen Sie 2 Papiere.
Das 1. Papier zeigt: Hier wohnen Sie.
Das 2. Papier ist der Fahrzeug·schein von Ihrem Auto.

Der Text ist länger geworden. Das ist normal: Leichte Sprache erklärt Zusammenhänge, die Standardtexte stillschweigend voraussetzen.

### Der rechtliche Rahmen

Für öffentliche Stellen des Bundes ist Leichte Sprache keine Kür. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) enthält in § 11 Regeln zu Verständlichkeit und Leichter Sprache. Die BITV 2.0 verlangt, dass Websites öffentlicher Stellen auf der Startseite Erläuterungen in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache anbieten, unter anderem zu den wesentlichen Inhalten, zur Navigation und zur Erklärung zur Barrierefreiheit. Was in diese Erklärung gehört, beschreibt der Artikel zur [Barrierefreiheitserklärung](https://barrierefreihochzwei.de/de/blog/barrierefreiheitserklaerung-richtig-erstellen). Für die Länder gelten eigene, oft ähnliche Regeln.

Das BFSG schreibt für Unternehmen keine Leichte Sprache vor. Es verlangt aber unter anderem, dass Informationen verständlich bereitgestellt werden. Hinweis: Dieser Abschnitt informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung.

## Einfache Sprache: verständlich für möglichst viele

Einfache Sprache ist weniger streng geregelt. Sie liegt zwischen Leichter Sprache und Standardsprache und richtet sich an ein breites Publikum. Sätze dürfen etwas länger sein, Nebensätze sind erlaubt, Fachbegriffe ebenfalls, solange sie erklärt werden. Der Text soll sich für alle natürlich lesen, ohne dass sich jemand unterfordert fühlt.

Ein festes, allgemein verbindliches Regelwerk für Einfache Sprache gibt es nicht. International hat sich der Begriff „Plain Language“ etabliert, für den es seit 2023 mit ISO 24495-1 auch eine Norm mit Grundprinzipien gibt. Der Kern ist immer derselbe: Die Lesenden finden, was sie brauchen, verstehen es und können es nutzen.

Unser Beispiel in Einfacher Sprache:

„Sie möchten einen Parkausweis für Anwohner:innen? Dann bringen Sie zum Antrag zwei Dokumente mit: Ihre Meldebescheinigung und den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I).“

Der Fachbegriff bleibt erhalten, weil er auf dem Dokument steht. Aber er steht nicht mehr allein.

## Wann nimmst du was?

Die beiden Formen schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Eine gute Faustregel:

- **Einfache Sprache** ist dein Standard für alle Inhalte, die viele Menschen lesen sollen: Produktseiten, Hilfetexte, Formulare, Fehlermeldungen, FAQ.
- **Leichte Sprache** ist ein zusätzliches Angebot für Menschen, die auch mit Einfacher Sprache Schwierigkeiten haben. Typisch sind ein eigener Bereich mit den wichtigsten Informationen oder Leichte-Sprache-Fassungen zentraler Seiten.

Ersetze deine Standardtexte nicht vollständig durch Leichte Sprache. Viele Lesende empfinden sie als ungewohnt, und für die Zielgruppe ist ein klar erkennbarer, eigener Bereich ohnehin leichter zu finden. Verlinke ihn gut sichtbar, zum Beispiel im Kopfbereich mit dem Text „Leichte Sprache“ und einem bekannten Symbol.

## Verständliche Texte im Web: was sofort hilft

Auch ohne Übersetzung in Leichte Sprache kannst du deine Texte deutlich zugänglicher machen. Diese Techniken wirken auf jeder Website:

**Das Wichtigste zuerst.** Menschen überfliegen Webtexte. Beginne mit der Antwort, nicht mit der Vorgeschichte. Wer mehr wissen will, liest weiter.

**Verben statt Nominalstil.** „Nach erfolgter Prüfung Ihrer Unterlagen erfolgt die Zusendung des Bescheids“ wird zu „Wir prüfen Ihre Unterlagen und schicken Ihnen dann den Bescheid“. Aktive Sätze sagen außerdem, wer handelt.

**Ein Gedanke pro Satz, ein Thema pro Absatz.** Kurze Absätze mit klarem Fokus lassen sich leichter erfassen, auch auf kleinen Bildschirmen.

**Fachbegriffe und Abkürzungen erklären.** Die WCAG greifen das in zwei AAA-Kriterien auf: [3.1.3 Ungewöhnliche Wörter](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/3-1-3-ungewoehnliche-woerter) und [3.1.4 Abkürzungen](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/3-1-4-abkuerzungen). Praktisch heißt das: Erkläre Begriffe beim ersten Auftreten, schreib Abkürzungen beim ersten Mal aus oder biete ein Glossar an.

**Einheitliche Begriffe.** Wenn auf einer Seite „Warenkorb“, „Einkaufswagen“ und „Bestellübersicht“ dasselbe meinen, entsteht Unsicherheit. Leg dir eine Begriffsliste an und halte dich daran.

**Listen, wo es Listen sind.** Aufzählungen und Schritte gehören in echte Listen. Das hilft beim Lesen und sorgt dafür, dass Screenreader die Struktur erkennen.

**Sprache auszeichnen.** Damit Screenreader richtig aussprechen, muss die Sprache der Seite und von fremdsprachigen Passagen im Code stehen, etwa mit `lang="de"`. Das regeln [3.1.1 Sprache der Seite](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/3-1-1-sprache-der-seite) und 3.1.2 für einzelne Passagen.

## Überschriften, die tragen

Überschriften sind das Inhaltsverzeichnis deiner Seite. Sehende Menschen überfliegen sie, Screenreader-Nutzer:innen springen per Tastenbefehl von Überschrift zu Überschrift. In beiden Fällen gilt: Die Überschrift muss sagen, was im Abschnitt steht. Das fordert [2.4.6 Überschriften und Beschriftungen](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/2-4-6-ueberschriften-und-beschriftungen).

- Vorher: „Allgemeines“, „Weitere Informationen“, „Sonstiges“
- Nachher: „Wer einen Parkausweis bekommt“, „Welche Unterlagen Sie brauchen“, „Was der Ausweis kostet“

Die Überschriften im Nachher-Beispiel funktionieren auch für sich allein. Wer nur sie liest, versteht den Aufbau der Seite. Achte außerdem auf eine logische Hierarchie mit echten Überschriften-Elementen statt fett formatiertem Text. Das gehört zu [1.3.1 Info und Beziehungen](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/1-3-1-info-und-beziehungen).

## Linktexte, die sagen, wohin es geht

„Hier klicken“, „mehr“ und „weiterlesen“ sind die Klassiker unter den nichtssagenden Linktexten. Screenreader bieten Listen aller Links einer Seite an. Darin stehen dann zehnmal „mehr“ untereinander, ohne jeden Zusammenhang. Das Kriterium [2.4.4 Linkzweck (im Kontext)](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/2-4-4-linkzweck-im-kontext) verlangt, dass der Zweck eines Links aus dem Linktext oder seinem unmittelbaren Kontext hervorgeht.

- Vorher: „Den Antrag finden Sie *hier*.“
- Nachher: „*Antrag auf Bewohnerparkausweis herunterladen* (PDF, 2 Seiten)“

Der verbesserte Link beschreibt Ziel und Aktion und warnt vor dem Dateiformat. Wenn ein Link ein neues Fenster öffnet oder auf eine andere Sprache führt, sag das ebenfalls dazu.

## Leseniveau: was WCAG 3.1.5 verlangt

Das Kriterium [3.1.5 Leseniveau](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag/3-1-5-leseniveau) gehört zur Stufe AAA. Es verlangt: Wenn ein Text eine Lesefähigkeit voraussetzt, die über das Niveau der unteren Sekundarstufe hinausgeht, also grob nach etwa neun Schuljahren, dann brauchst du ergänzende Inhalte oder eine Fassung, die mit geringerer Lesefähigkeit verständlich ist. Eigennamen und Titel zählen dabei nicht mit.

Ergänzende Inhalte können eine kurze Zusammenfassung am Anfang sein, erklärende Grafiken, ein Video oder eben eine Fassung in Einfacher oder Leichter Sprache. Gerade für komplexe Themen wie Verträge, Gesundheit oder Finanzen ist eine vorangestellte Zusammenfassung ein guter, realistischer Schritt.

AAA-Kriterien sind in der Regel nicht gesetzlich gefordert, auch nicht über die EN 301 549. Sie sind aber ein hervorragender Kompass. Lesbarkeitsindizes wie der Flesch-Index in seiner deutschen Anpassung können dir dabei Hinweise geben, wo Sätze und Wörter zu lang werden. Sie messen allerdings nur die Oberfläche. Ob ein Text verständlich ist, zeigt dir am zuverlässigsten ein Test mit echten Lesenden.

## Leichte Sprache auf der Website umsetzen

Wenn du ein Angebot in Leichter Sprache planst, beginne mit den Inhalten, die am meisten gebraucht werden: Was bietet die Organisation an? Wie erreicht man sie? Wie funktioniert der wichtigste Ablauf? Lieber wenige gut gemachte Seiten als ein halbherzig übersetzter Gesamtauftritt.

Plane Zeit und Budget für Übersetzung und Prüfung ein. KI-Werkzeuge können erste Entwürfe in Einfacher oder Leichter Sprache liefern und sind beim Vereinfachen hilfreich. Sie verfälschen aber gelegentlich Inhalte oder lassen Wichtiges weg. Fachliche Kontrolle und die Prüfung durch die Zielgruppe ersetzen sie nicht.

Denk auch an die Gestaltung: ausreichend große Schrift, viel Weißraum, linksbündiger Text ohne Blocksatz und Bilder, die den Text unterstützen statt ihn zu dekorieren. Für diese Bilder gelten natürlich dieselben Regeln wie überall, wie im Artikel über [Alt-Texte](https://barrierefreihochzwei.de/de/blog/alt-texte-richtig-schreiben) beschrieben.

## Checkliste

- Das Wichtigste steht am Anfang jeder Seite und jedes Abschnitts.
- Sätze sind kurz, aktiv und enthalten einen Gedanken.
- Fachbegriffe und Abkürzungen werden beim ersten Auftreten erklärt.
- Gleiche Dinge heißen überall gleich.
- Überschriften beschreiben den Inhalt und folgen einer logischen Hierarchie.
- Linktexte sagen, wohin der Link führt, auch ohne Kontext.
- Die Sprache der Seite und fremdsprachiger Passagen ist im Code ausgezeichnet.
- Komplexe Texte haben eine kurze Zusammenfassung oder eine einfachere Fassung.
- Öffentliche Stellen bieten die geforderten Erläuterungen in Leichter Sprache an.
- Texte in Leichter Sprache wurden von der Zielgruppe geprüft.

## Fazit

Leichte Sprache und Einfache Sprache verfolgen dasselbe Ziel, aber auf unterschiedlichen Wegen. Leichte Sprache ist ein streng geregeltes Angebot für eine klar umrissene Zielgruppe und braucht Übersetzung und Prüfung. Einfache Sprache ist eine Haltung, die du auf jeden Text anwenden kannst, vom Hilfetext bis zur Fehlermeldung.

Der größte Hebel liegt oft im Alltag: klare Überschriften, sprechende Links, aktive Sätze und erklärte Fachbegriffe. Das kostet kaum zusätzlichen Aufwand und macht deine Website für alle besser. Weitere Kriterien zum Prinzip „Verständlich“ findest du im [WCAG-Guide](https://barrierefreihochzwei.de/de/wcag).

## Quellen

- [W3C: Understanding Success Criterion 3.1.5 Reading Level](https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/reading-level.html)
- [W3C: Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities](https://www.w3.org/TR/coga-usable/)
- [Netzwerk Leichte Sprache](https://www.leichte-sprache.org/)
- [Behindertengleichstellungsgesetz, § 11 Verständlichkeit und Leichte Sprache](https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__11.html)
- [Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0)](https://www.gesetze-im-internet.de/bitv_2_0/)
- [Bundesfachstelle Barrierefreiheit](https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/)
