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Barrierefrei²

Erfolgskriterium 2.2.5

2.2.5 Erneute Authentifizierung

Level AAABedienbar

Wenn Zeit abläuft, muss der Fortschritt bleiben.

1. Was ist das Ziel dieses Kriteriums?

Stell dir vor, du füllst seit 20 Minuten ein wichtiges Online-Formular aus – und plötzlich wirst du abgemeldet. Alle deine Eingaben sind weg, du musst von vorn anfangen. Frustrierend für alle, aber für Menschen mit Behinderungen kann das der Unterschied zwischen „machbar“ und „unmöglich“ sein.

Das Ziel von Erfolgskriterium 2.2.5 ist klar: Wenn sich Nutzer:innen wegen einer abgelaufenen Sitzung neu anmelden müssen, dürfen sie dabei keine bereits eingegebenen Daten und keinen Fortschritt verlieren. Die Website muss sie genau dort abholen, wo sie aufgehört haben.

2. Was fordert das Erfolgskriterium genau?

Es geht um geschützte Bereiche – also Seiten, auf denen man angemeldet sein muss. Läuft dort eine Sitzung ab und ist eine erneute Anmeldung nötig, gilt:

Daten bleiben erhalten: Alle Eingaben – egal ob in Formularen, Warenkörben oder anderen interaktiven Elementen – sind nach der erneuten Anmeldung noch da.

Der Zustand bleibt erhalten: Nutzer:innen landen wieder an der Stelle, an der sie vor dem Ablauf waren – gleiche Seite, gleicher Bearbeitungsstand, gleiche Auswahl.

Nahtlos weitermachen: Nach der Anmeldung lässt sich die Aktivität fortsetzen, als wäre die Sitzung nie abgelaufen.

Das Kriterium verbietet keine Sitzungsabläufe – Sicherheit bleibt wichtig. Es verlangt nur, dass der Ablauf nicht zum Datenverlust führt, egal ob die Sitzung wegen Inaktivität oder aus anderen Sicherheitsgründen endet.

3. Warum ist das wichtig für Barrierefreiheit?

Stell dir vor, du nutzt einen Screenreader und arbeitest dich langsam durch ein komplexes Formular – dann läuft die Sitzung ab und alles ist weg. Oder du hast motorische Einschränkungen und brauchst lange, um deine Kreditkartendaten einzugeben – nur um dann von vorn anfangen zu müssen.

Erhaltene Daten nach einer erneuten Anmeldung schaffen Barrierefreiheit, weil sie:

  • Menschen mit kognitiven Einschränkungen ermöglichen, in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten, ohne Datenverlust zu befürchten,
  • Screenreader-Nutzenden helfen, die länger brauchen, um durch komplexe Formulare zu navigieren,
  • Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen unterstützen, die mehr Zeit für Eingaben benötigen,
  • Menschen mit Sehbehinderungen entlasten, die mit Vergrößerung arbeiten und dadurch langsamer vorankommen,
  • allen eine stressfreie Nutzung ohne Zeitdruck bei wichtigen Vorgängen ermöglichen.

Und nicht zuletzt: Es macht Websites für alle robuster – auch für Menschen, die einfach unterbrochen werden oder technische Probleme haben.

4. So setzt du das Kriterium erfolgreich um

Die Umsetzung erfordert etwas Planung auf der Serverseite, zahlt sich aber durch zufriedenere Nutzer:innen aus. Hier die bewährtesten Ansätze:

Serverseitig zwischenspeichern:

  • Speichere Eingaben automatisch, bevor die Sitzung abläuft, oder übernimm sie beim nächsten Absenden, wenn die Anmeldung erneuert wird.
  • Sichere nicht nur Formulardaten, sondern auch den Anwendungszustand (Schritt, Auswahl, Position).
  • Verschlüssele die Zwischenspeicherung und begrenze ihre Lebensdauer sinnvoll (z. B. 24 Stunden).

Daten über die Anmeldeseite durchreichen:

  • Übergib die Eingaben als versteckte, verschlüsselte Felder an die Seite zur erneuten Anmeldung.
  • Stelle nach erfolgreicher Anmeldung den vorherigen Zustand automatisch wieder her.
  • Achte auf eine sichere Verschlüsselung sensibler Informationen.

Rechtzeitig warnen:

  • Warne vor dem Ablauf der Sitzung und biete eine Verlängerung per Klick an – das verlangt schon Zeitbegrenzungen anpassbar.
  • Zeige die Warnung als zugänglichen Dialog, der den Fokus erhält und von Screenreadern angesagt wird.
  • Informiere vorab, nach wie viel Inaktivität Daten verloren gehen könnten (siehe Zeitüberschreitungen).

Gute Praxis:

  • Teste die Umsetzung systematisch mit verschiedenen Ablaufszenarien.
  • Erkläre den Nutzer:innen transparent, was mit ihren Daten passiert.
  • Stelle sicher, dass die Zwischenspeicherung DSGVO-konform ist.
  • Lösche zwischengespeicherte Daten nach Abschluss oder nach einem festgelegten Zeitraum sicher.
  • Mache die erneute Anmeldung selbst leicht – ohne Gedächtnistest (siehe Barrierefreie Authentifizierung (Minimum)).

5. Warum dieses Erfolgskriterium für Unternehmen relevant ist

Auch bei Level AAA gilt: Barrierefreiheit bringt echte Vorteile, nicht nur Kosten.

1. Weniger abgebrochene Vorgänge: Wer nach einer abgelaufenen Sitzung seinen Warenkorb oder seine Formulardaten verliert, gibt oft auf. Bleiben die Daten erhalten, beseitigst du einen der ärgerlichsten Stolpersteine im Onlinehandel.

2. Kundenzufriedenheit und -bindung stärken: Niemand mag es, Arbeit doppelt zu machen. Wer einmal erlebt hat, dass seine Daten nach einem Sitzungsablauf weg sind, wird skeptisch gegenüber deiner Website. Eine zuverlässige erneute Anmeldung schafft Vertrauen und erspart dir Supportanfragen.

3. Sicherheit und Nutzbarkeit zusammenbringen: Gerade in sensiblen Bereichen wie Banken, Gesundheitswesen und Verwaltung sind kurze Sitzungsdauern üblich. Mit 2.2.5 kannst du sie beibehalten, ohne Nutzer:innen dafür zu bestrafen.

Und nicht zuletzt: AAA-Kriterien wie 2.2.5 sind weder nach dem BFSG noch nach der BITV 2.0 verpflichtend, denn beide stützen sich auf WCAG 2.1 Level AA. Wer sie umsetzt, geht bewusst über das Pflichtprogramm hinaus. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

6. Das Erfolgskriterium im Wortlaut des W3C

Success Criterion 2.2.5 Re-authenticating (Level AAA)

When an authenticated session expires, the user can continue the activity without loss of data after re-authenticating.

Kurz gesagt: Läuft eine Sitzung ab, müssen Nutzer:innen nach der erneuten Anmeldung ohne Datenverlust dort weitermachen können, wo sie aufgehört haben.

Offizielle Erklärung beim W3C

Das W3C erklärt jedes Erfolgskriterium ausführlich – mit Absicht, Beispielen und Techniken (auf Englisch).

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