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Barrierefrei²

Erfolgskriterium 2.4.9

2.4.9 Linkzweck (nur Link)

Level AAABedienbar

Wenn Links für sich sprechen müssen.

1. Was ist das Ziel dieses Kriteriums?

Links sind das Rückgrat des Internets – aber was, wenn du nur „Klick hier“ oder „Mehr“ liest und keine Ahnung hast, wohin dich das führt? Für Menschen, die mit Screenreadern navigieren oder sich durch Linklisten hangeln, sind unklare Links wie Wegweiser ohne Beschriftung.

Das Ziel von Erfolgskriterium 2.4.9 der WCAG ist daher eindeutig: Jeder Link soll allein aus seinem Linktext heraus verständlich machen, wohin er führt oder was er bewirkt. Kein Rätselraten, kein umgebender Satz nötig – der Linktext steht für sich.

2. Was fordert das Erfolgskriterium genau?

Es muss ein Mechanismus verfügbar sein, mit dem sich der Zweck jedes Links allein aus dem Linktext bestimmen lässt – ohne auf den umgebenden Kontext angewiesen zu sein. Das ist die strengere Schwester von Linkzweck (im Kontext) auf Stufe A: Dort darf der Zweck auch aus dem Satz, Absatz oder Listenpunkt rund um den Link hervorgehen, hier nicht.

Die Kernforderungen:

  • Der Linktext allein macht klar, wohin der Link führt oder was er bewirkt.
  • Als Linktext zählt der programmatisch ermittelte Text – also der sichtbare Text, bei Bild-Links der Alternativtext, oder ein Name über aria-label bzw. aria-labelledby.
  • Alternativ reicht ein Mechanismus, mit dem Nutzer:innen zwischen kurzen und ausführlichen Linktexten umschalten können.

Empfehlenswert, aber nicht Teil der Anforderung: Links mit gleichem Ziel bekommen denselben Text, Links mit unterschiedlichen Zielen unterschiedliche Texte. Das erleichtert die Orientierung in Linklisten erheblich.

Ausnahme: Der Zweck des Links wäre für alle Nutzer:innen gleichermaßen unklar – etwa in einem Spiel mit bewusst geheimnisvollen Links wie „Tür 1“ und „Tür 2“.

Ein praktisches Beispiel: Statt „Hier klicken“ sollte ein Link „Produktkatalog als PDF herunterladen“ heißen. Statt „Mehr“ besser „Mehr über unsere Nachhaltigkeitsstrategie“.

3. Warum ist das wichtig für Barrierefreiheit?

Stell dir vor, du navigierst mit einem Screenreader durch eine Website und lässt dir alle Links auflisten – aber da steht nur: „Klick hier“, „Mehr“, „Weiter“, „Hier“. Ohne Kontext sind diese Links nutzlos.

Aussagekräftige Linktexte schaffen Barrierefreiheit, weil sie:

  • Screenreader-Nutzer:innen ermöglichen, effizient durch Linklisten zu navigieren, ohne jedes Mal den Kontext lesen zu müssen
  • Menschen mit motorischen Einschränkungen helfen, überflüssige Tastatureingaben zu vermeiden, weil sie gezielt den richtigen Link ansteuern können
  • Menschen mit kognitiven Einschränkungen unterstützen, da klare Beschreibungen Verwirrung vermeiden
  • Allen Nutzer:innen helfen, weil eindeutige Links beim Überfliegen einer Seite Orientierung geben

Und nicht zuletzt: Wer per Sprachsteuerung arbeitet, kann einen Link mit klarem Text direkt beim Namen nennen – „Klick auf Produktkatalog“ funktioniert, „Klick auf Mehr“ bei zehn gleichnamigen Links nicht.

4. So setzt du das Kriterium erfolgreich um

Die Qualität deiner Linktexte entscheidet darüber, ob deine Website wirklich gut nutzbar ist – oder nur oberflächlich den Standards entspricht. Hier die bewährtesten Strategien:

Grundregeln für gute Linktexte:

  • Sei spezifisch: „Jahresbericht 2025 als PDF herunterladen“ statt „Download“
  • Verwende Aktionswörter: „Termin vereinbaren“, „Preise vergleichen“, „Anmeldung starten“
  • Nenne das Ziel: „Zur Kontaktseite“, „Produktdatenblatt öffnen“
  • Erwähne das Format: „Video-Anleitung ansehen“, „Infografik als PNG“
  • Halte es prägnant: klar und verständlich, aber nicht übermäßig lang

Technische Umsetzung:

  • Nutze echte <a>-Elemente mit beschreibendem Linktext.
  • Wenn der sichtbare Text kurz bleiben muss, kannst du ihn mit visuell verstecktem Text oder aria-label ergänzen. Wichtig: Der sichtbare Text muss im zugänglichen Namen enthalten sein, sonst verstößt du gegen Beschriftung im Namen.
  • aria-describedby zählt nicht zum Linktext – es liefert nur eine zusätzliche Beschreibung, die viele Screenreader in Linklisten nicht anzeigen.
  • Für Bild-Links: Der Alternativtext beschreibt das Ziel, nicht das Bild.
  • Bei Image Maps braucht jeder Bereich eine eigene, klare Beschreibung.
<a href="/blog/barrierefreie-formulare">
  Weiterlesen<span class="visually-hidden">: Barrierefreie Formulare</span>
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Mechanismus für Flexibilität: Du kannst auch einen Schalter am Seitenanfang anbieten, der zwischen kurzen und ausführlichen Linktexten umschaltet – z. B. für Seiten mit vielen Download-Links, wo manche Nutzer:innen „PDF“ bevorzugen und andere „Produktkatalog 2025 als PDF herunterladen“.

Prüfen:

  • Lass dir mit einem Screenreader die Linkliste anzeigen (bei NVDA mit NVDA + F7) und prüfe, ob jeder Eintrag allein verständlich ist.
  • Verwende Browser-Erweiterungen, die alle Links einer Seite auflisten.
  • Achte auf Konsistenz: gleiches Ziel, gleicher Linktext.

5. Warum dieses Erfolgskriterium für Unternehmen relevant ist

2.4.9 ist ein AAA-Kriterium und damit weder über das BFSG noch über die BITV 2.0 verpflichtend – beide stützen sich auf die EN 301 549, die WCAG 2.1 Level AA verlangt. Trotzdem lohnt es sich, denn klare Links bringen konkrete Vorteile.

1. Benutzerfreundlichkeit verbessern

Aussagekräftige Links verringern Fehlklicks und Verwirrung. Nutzer:innen wissen vorher, was sie erwartet – gerade Menschen, die Seiten schnell überfliegen, finden so schneller zum Ziel.

2. Indirekt bessere Auffindbarkeit

Barrierefreiheit ist kein direkter Rankingfaktor. Aussagekräftige Linktexte helfen Suchmaschinen aber, zu verstehen, worum es auf der verlinkten Seite geht – Google empfiehlt in seinen eigenen Leitfäden beschreibende Ankertexte statt „Hier klicken“.

3. Sprachsteuerung unterstützen

Mit Sprachsteuerung aktivieren Menschen Links über deren Namen. Eindeutige Linktexte machen diese Bedienung erst zuverlässig möglich.

Und nicht zuletzt: Wer Linktexte nach 2.4.9 schreibt, hat in aller Regel auch das verpflichtende Kriterium 2.4.4 sicher im Griff – ein solides Polster für jede Prüfung. Dieser Abschnitt informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung.

6. Das Erfolgskriterium im Wortlaut des W3C

Success Criterion 2.4.9 Link Purpose (Link Only) (Level AAA)

A mechanism is available to allow the purpose of each link to be identified from link text alone, except where the purpose of the link would be ambiguous to users in general.

Kurz gesagt: Der Zweck jedes Links muss sich allein aus dem Linktext erschließen lassen – außer, er wäre für alle Menschen gleichermaßen unklar.

Offizielle Erklärung beim W3C

Das W3C erklärt jedes Erfolgskriterium ausführlich – mit Absicht, Beispielen und Techniken (auf Englisch).

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